DDR aus der Erwachsenenperspektive

Isabelle’s Mutter, 55, wohnt immer noch im Osten…

Religion: nicht verboten, wurde aber unterdrückt, viele Kirchenaustritte, kaum Konfirmationen. Stattdessen hatten 14-jährige Jugendliche sozialistische Jugendweihe. Aber das Wichtigste waren eh die Geschenke und die Feier.

Urlaub: Viele Kinder verbrachten einen Teil ihrer Sommerferien in zentralen Pionierferienlagern oder Betriebsferienlagern.
Die gab es an der Ostsee, im Gebirge oder an Seen. Oft war es die einzigste Möglichkeit mal Urlaub zu machen, den viele Eltern konnten es sich nicht leisten oder es gab nur begrenzte Möglichkeiten.

Campingurlaub war beliebt, bezahlbare Hotels gab es kaum oder man blieb im Urlaub zu Hause. einige führen aber auch zum Urlaub ins sozialistische Ausland ( z. B. Ungarn , Bulgarien )

Viele Leute hatten einen eigenen Garten, aber nicht nur zur Erholung: Selbstversorgung war ganz wichtig. Frisches Obst und Gemüse war Mangelware in den Läden.

Versorgung: Grundnahrungsmittel( z. B.Brot, Milch, Butter) gab es reichlich und es war sehr billig, weshalb es auch oft zum Füttern der eigenen Schweine gekauft wurde.
Aber es gab kaum Konserven. Es gab Bananen, Orangen nur auf Zuteilung und nach langem Anstehen.Eine Dose Ananas oder Pfirsiche kostete schon mal 7-8 Markund wurde nur für besondere Anlässe verwendet. Echter Bohnenkaffe war sehr teuer. ( 25 Mark/ 500g)
Um guten Schinken oder ein gutes Stück Filet zu bekommen brauchte man gute Beziehungen. Aber es gab natürlich auch Fleisch und Wurst.
Niemand musste hungern und gefeiert wurde auch.

Elektrogeräte waren auch Mangelware und sehr teuer. Es gab auch nur ein Gerät von einer Marke, alo nicht Kaffemaschinen, sonder die Kaffemaschine. Kühlschränke, Waschmaschinen, Möbel gab es nur nach längeren Wartezeiten.

Autos: das Kultauto war der Trabant( liebevoll Trabi genannt), einfach, aber praktisch.Die Wartezeit betrug ca 10-12 Jahre. Es war also ratsam sich gleich mit 18 anzumelden.Gebrauchte Trabis waren heiß begehrt und teurer als ein Neuer ( neu. ca 10000 Mark 7 alt: ca 17 000 Mark )
Etwas größer und teurer waren zb der Wartburg (DDR Produktion und der Lada ( Sowjetunion).
Vieles wurde selbst repariert und umgebaut, Ersatzteile gab es kaum, es musste viel improvisiert werden.

Wer über Westverwandschaft hatte konnte sich später auch ein Westauto kaufen (Golf)oder entsprechend mehr DDR mark bezahlen.

Kleidung: meist nicht besonders schick. Kinderkleidung war rar und auch hier war Einfaltsreichtum gefragt. Es wurde viel selbst genäht und gestrickt.
Manchmal gab es auch Westkleidung in DDR Kaufhäusern für DDR Geld zu kaufen. Ich hatte mal nach langem Anstehen eine Jeans in Magdeburg erstanden( ohne Anprobe). Dass sie im Grunde genommen viel zu groß war, war nicht so wichtig. Ich war einfach nur stolz, so ein Teil zu haben. Dann musste eben geändert werden.

Wohnungen: supergünstige Mieten ( 20-50 Mark für eine 3-Raumwohnung)- vom Staat subventioniert
Aber auch hier für gute Wohnungen lange Wartezeiten. Dehalb wurde auch in der DDR meist mit 18 geheiratet, dann hatte man bessere Chancen.
Außerdem gab es noch den Ehekredit, dessen Rückzahlungssumme sich mit jedem Kind verringerte.

Arbeit: alle hatten Arbeit, es gab praktisch keine Arbeitslosigkeit, Frauen arbeiteten auch ganz selbstverständlich.
Es gab auch neben den kommunalen Kinderkrippen und Kindergärten viele betriebliche Kindereinrichtungen
Der Durchschnittslohn war ca. 500 – 600 DDR Mark. 1000 Mark zählte schon zum Spitzenverdienst.

Es war nicht alles schlecht in der ehemaligen DDR und die meisten hatten sich damit abgefunden, „eingesperrt“ zu sein und den westlichen Teil der Welt nie zu Gesicht zu bekommen. Aber letztendlich wurden alle belogen, betrogen und bevormundet. Das führte dann ja auch zu einer zunehmenden Unzufriedenheit und der Drang nach Meinungs- und Reisefreiheit wurde immer stärker.
Echte Demokratie gab es in der DDR nicht.

Über richterb

Curriculum Leader of Modern Foreign Languages @ Tile Hill Wood School and Language College in Coventry, UK.
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